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VdA - Verband deutscher
Archivarinnen und Archivare e.V.

"Notfall Wasser". Bericht über den Workshop des Landesverbandes Sachsen im VdA am 25. April 2018

Bericht: Carsten Wagner

Schäden am Archivgut durch Wasser, sei es durch technisches Versagen, bauliche Mängel oder durch das Wetter hervorgerufene Naturkatastrophen, sind etwas, was kein Archiv haben will, geschweige denn gebrauchen kann. Dennoch ist es unablässig, sich für den Fall der Fälle vorzubereiten, um dann möglichst schnell handlungsfähig zu sein und den Verlust von beschädigtem Archivgut so gut wie nur möglich zu vermeiden.

Vorstellung der Notfallboxen. Foto: Regine Bartholdt, Sächsisches Staatsarchiv

Mit dieser Intention fanden sich 11 TeilnehmerInnen zum Workshop „Notfall Wasser“ im Archivzentrum Hubertusburg in Wermsdorf ein. Nach der Begrüßung durch Veranstaltungsleiterin Barbara Kunze und einer kurzen Vorstellungsrunde der KursteilnehmerInnnen, wurde der genaue Ablauf des praktisch angelegten Workshops näher erläutert sowie die beteiligten RestauratorInnen des Archivzentrums vorgestellt.

Begonnen wurde mit der Präsentation der Notfallboxen, bezüglich Inhalt, Verwendung, Bestellmöglichkeiten und Lagerung. Anschließend durchliefen vier 2-er und eine 3-er Gruppe insgesamt fünf verschiedene Übungsstationen. In der ersten Übung wurde durchnässtes Schriftgut begutachtet, um zu klären, welche Auswirkungen das Wasser auf Papier, Pergament oder fotografische Materialien und deren Informationen und Darstellungen hat beziehungsweise hatte.

Danach setzte sich die zweite Übung mit der Erstversorgung auseinander. In Vorbereitung der Einfrierung wurde das Schriftgut von grobem Schmutz (Schlamm) befreit und in Stretchfolie gepackt. Diese Arbeit sollte nach Möglichkeit zu zweit erledigt werden, da so während der Säuberung und dem Einstrechen die Dokumentation von hilfreichen Daten wie beispielsweise Institution, Bergungsort, Material/Archivaliengattung, Zustand oder Anzahl der Bergungseinheiten erfolgen kann.

In Übung 3 konnten die TeilnehmerInnen die notwendigen Arbeitsschritte vor der Vakuumgefriertrocknung kennenlernen. Die eingefrorenen Bergungseinheiten wurden aus der Stretchfolie gepackt, gebundenes Schriftgut durch das Umwickeln mit Mullbinden in seiner Form gestärkt und letztlich in die Gefriertrocknungsanlage gelegt. Hierbei wurde neben der Vermittlung von handwerklichen Abläufen auch ein Einblick in Funktionsweise und Aufbau einer solchen Trocknungsanlage ermöglicht.

Anschließend ging es in der vierten Übung mit der Maßnahmenplanung und Kostenkalkulation um die nötigen Arbeitsschritte nach der Vakuumgefriertrocknung. Im Bezug auf die restauratorischen Maßnahmen erfreute sich das Weichstrahlverfahren großen Interesses bei den Workshop-TeilnehmerInnen. Unter Einsatz eines Druckluftkompressors wird mikrokristallines Cellulosepulver auf Papier, Pergament und andere Oberflächen gestrahlt und damit eine besonders schonende Reinigung gewährleistet.

In der abschließenden fünften Übung wurden die Messung (mikro)biologischer Kontamination und die Messung von Feuchtigkeit thematisiert. Mit Hilfe des Biolumineszensverfahrens kann nachgewiesen werden, in welchem Umfang eine Oberfläche mit Adenosintriphosphat und Adenosinmonophosphat verunreinigt ist. Feuchtigkeit kann  über Schwertmessfühler, Feuchteindikatorstäbchen oder Thermohygrographen, die Entwicklungen über einen bestimmten Zeitraum aufzeichnen, ermittelt werden. Auch hier konnten die TeilnehmerInnen des Workshops wieder aktiv werden, indem sie mit einem Lumitester bei einem Vorher-Nachher-Versuch den Grad der (mikro-)biologischen Kontamination einer Oberfläche messen konnten.

Alle TeilnehmerInnen bewerteten den Workshop als äußerst gewinnbringend. Die Vermittlung von Methoden und Verfahrensweisen bei der Schadensaufnahme, dem Einfrieren, der Vakuumgefriertrocknung, der Reinigung von Archivgut und der Messung von Bakterienbefall und Feuchtigkeit bereichern die Archivarinnen und Archivare fortan in ihrer täglichen Arbeit und wappnen sie für ein eventuelles Worst-Case-Szenario. Für die professionelle und reibungslose Organisation sowie Durchführung des Workshops sei allen Mitwirkenden des Archivzentrums Hubertusburg nochmals ein herzliches Dankeschön ausgesprochen!